ELEPHANTS WORLD IN KANCHANBURI

Den Dickhäutern ganz nah

Elefanten in Südostasien! Das ist ein stetiges Streitthema. Daran scheiden sich die Geister! Absolutes no-go für die einen, ein absolutes must-do für die anderen. Wir haben schon immer eine klare Meinung zum Thema! Elefantenreiten? Niemals! In 15 Jahren Südostasien hatten wir noch keinen Elefant geritten. Keinen Elefanten berührt, gefüttert oder mit ihm gebadet.
Auf den ausgetretenen Touristenpfaden Thailands steht das Elefantenreiten auf dem Programm vieler Touren durch das Land. Wer über die populären Inseln fährt oder sich an den Hotspots auf dem Festland aufhält, der kommt zwangsweise mit dem unbequemen Thema in Berührung. Vielerorts stehen die grauen Riesen am Straßenrand. Angekettet wanken sie von links nach rechts. Schauen euch mit großen, leeren, traurigen Augen an. Sie sollten frei sein, denken wir uns dann immer. Oder zumindest nicht gehalten werden wie ein überdimensionaler Godlfisch im Glas. In den letzten Jahren hat sich einiges getan. Die öffentliche Meinung zum Elefantenreiten hat sich einem Wandel unterzogen. Das spüren auch die Touranbieter*innen. Der Trend geht hin zu Elephant Sanctuaries. Sogenannte Auffangstationen für Elefanten, die für ihre vorherigen Besitzer*innen keinen Nutzen mehr darstellen. Weniger Reiten, mehr anschauen. Für viele Tiere ist der Weg in die Station der Weg in den Ruhestand. Hier müssen sie nicht mehr arbeiten. Keine Tourist*innen mehr durch den Dschungel tragen.
So ganz überzeugt sind wir immer noch nicht, von der Tatsache, dass auch hier Elefanten zur touristischen Attraktion werden. Bereits vor der Reise war es aber der große Wunsch unserer Tochter, dass sie mal einen Elefanten sehen und vielleicht sogar berühren kann. Wir waren zu dieser Zeit gerade von Kambodscha nach Thailand gereist und hatten uns mit Freunden auf Koh Chang getroffen. Wir hatten noch keinen Plan, wohin wir als nächstes Reisen wollten und sind auf die Elephants World in Kanchanaburi gestoßen. Kurzerhand beschlossen wir, unsere Tochter ihren Wunsch zu erfüllen und machten uns nach einem Stop-Over in Bangkok auf den Weg nach Kanchanaburi. 

Von Bangkok nach Kanchanburi

Hier könnt ihr den Transfer günstig und bequem online buchen. 

Kanchanaburi

Die Stadt am River Kwai

Die Provinz Kanchanaburi liegt etwa 3 Fahrstunden westlich von Bangkok und ist weltberühmt für die Brücke über den Fluss Kwai, die Schauplatz der Dreharbeiten für den gleichnamigen Film war. Die Umgebung Kanchanaburi ist von herber Naturschönheit geprägt. Hohe, zerklüftete Berge und Felsen, rauschende Wasserfälle und tiefe Tropfsteinhöhlen. Die Nationalparks im ruralen Umland bieten zahlreiche Trekking- und Outdoormöglichkeiten.
Kurzum: hier liegt nicht der Hund begraben, gibt es in der Stadt doch zahlreiche Unterkünfte und einige Attraktionen, trotzdem geht es hier wesentlich ruhiger zu und die Region ist touristisch noch nicht gänzlich erschlossen. Sie ist idealer Ausgangsort für den Besuch des Elefantencamps. 


Unterkünfte in Kanchanaburi

Hier findet ihr eine Übersicht der Unterkünfte in der Stadt.

Unterkunftsempfehlung

Direkt am Flussufer findet ihr das PONG PENH GUESTHOUSE. Hier gibt es ein schnuckeliges Restaurant und geräumige, preiswerte Zimmer mit einem Pool. 

Elephants World

Das Elephant Sanctuary liegt etwa 35 Kilometer außerhalb der Stadt. 
Doch was hat es mit Elephants World auf sich? Ist das nicht auch eine Tourifalle und die Elefanten werden genutzt um die Profitgier der Menschen zu stillen?
Um zu verstehen, was hier passiert, ist es vielleicht interessant die Geschichte des Camps zu kennen. Der Tierarzt Dr. Samart und seine Frau Khun Fo aus Kanchanaburi waren traurig, als sie das Schicksal einiger ältere und verletzter Elefanten in der Umgebung mit ansehen mussten. Ihre Besitzer behandelten sie schlecht. Sie brachten keinen Profit mehr. Konnten nicht mehr arbeiten und schon gar keine Tourist*innen mehr tragen. Trotzdem kosteten die Elefanten einiges an Unterhalt. Fressen die Tiere doch täglich knapp 150 Kilogramm pflanzliches Futter. Das will bezahlt und organisiert werden. Dr. Samart und seine Ehefrau wollten unbedingt helfen und den Not leidenden Tiere ein Zuhause zu geben. Im Jahr 2008 gründeten sie kurzerhand Elephants World an den Ufern des Flusses Kwai. Zu Beginn finanzierten sie ihr Projekt ausschließlich über Spendenaktionen. Im Laufe der Zeit wurde Elephants World immer bekannter und weltweit erhielten sie für ihre Arbeit sehr gute Rezensionen. Genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn der Ökotourismus hielt langsam aber sicher auch in Thailand Einzug. Und so kam es, dass dieser die stabilen Einnahmen lieferte, die das Projekt dringend benötigte. Die Elefantengemeinschaft wurde immer größer, weshalb immer mehr Mahouts und anderes Personal für das Unterhalten des Camps von Nöten waren. 
Bereits im Jahr 2018 konnte sich das Projekt selbst tragen und ist für über 30 Elefanten und knapp 130 Mitarbeiter*innen ein Zuhause. Elephants World bietet Öko-Reisenden die Möglichkeit, ganz ohne Tierquälerei, einmal den großen, beeindruckenden Dickhäutern ganz nahe zu kommen. Die Besucherprogramme reichen von einem eintägigen Besuch bis zum Mahout-Erlebnis von einer Woche oder mehr.
Elephants World möchte zum einen den Elefanten einen friedvollen und schönen Lebensabend bieten, gleichzeitig aber auch über die Tiere informieren und darlegen, warum sie so schützenswert sind. So könnt ihr hier nicht nur eure persönlich, aufregende Elefanten-Erfahrung machen, sondern ihr lernt auch noch einiges über das Leben und die Gepflogenheiten der grauen Riesen.

How to get there

Ihr könnt den Transfer zum Camp direkt mit buchen. Wenn ihr auf eigene Faust dort hin fahren wollt, macht euch auf eine windige Fahrt gefasst. Wir hatten auf die Buchung eines Transfers verzichtet und beschlossen, mit dem Roller direkt zum Elephants World zu fahren. Das hat sich im Nachhinein als Fehler erwiesen. Wir hatten länger gebraucht, als erwartet und verpassten die ersten 15 Minuten. Auch war die Fahrt sehr mühsam, da sie die ganze Zeit über eine doppelspurige, viel befahrene Straße verlief. Der Wind tat sein übriges und wir waren froh, als wir am Ende wieder heil in Kanchanaburi angekommen waren. Nehmt also getrost den Minibus, der euch angeboten wird. Es ist wesentlich bequemer und angenehmer und ihr seid sicher, dass ihr rechtzeitig vor Ort seid. 

Geschichte der Elefanten in Thailand

 Schätzungen zufolge gab es im Jahr 1900 in Thailand noch etwa 100.000 Elefanten, im Jahr 1950 bereits nur noch 50.000. Heute ist ihre Zahl auf schätzungsweise 3.000 inländische und weniger als 2.000 in freier Wildbahn, die ausschließlich in einigen Nationalparks des Landes leben, zurückgegangen. Grund für den starken Rückgang ist die zunehmende und gewinnorientierte Rodung der Wälder, die den Elefanten ihren natürlichen Lebensraum nahm. Früher lebten die Tiere in den Dschungelgebieten Thailands, die Ende des 19. Jahrhunderts noch über 70% der Landesfläche ausmachten. 
Nach und nach wurden sie domestiziert. In Thailand arbeiteten Elefanten traditionell mit Menschen in der Holzindustrie zusammen. Sie halfen die gefällten Urwaldriesen aus dem Wald herauszuziehen. Praktisch, da an die entlegenen Stellen kein großes Gerät gelangen konnte. Im Jahr 1989 kam es im ganzen Land zur einer verheerenden Überschwemmung. Man stellte fest, dass die starke Abholzung dazu beitrug, dass sich das Wasser so rasch ausbreiten und alles überfluten konnte. Fortan verbot die Regierung den Holzeinschlag. Der Anfang vom Ende der Elefanten als Arbeitstiere. Makaber, denn die Elefanten mussten durch ihre Mitarbeit in der Holzindustrie quasi ihr eigenes Grab schaufeln und waren gezwungen, bei der Zerstörung des ihnen angestammten Lebensraumes mit zu helfen. Das neue Gesetz war zwar gut für den Tier- und Umweltschutz, stellte jedoch die Tierbesitzer*innen vor große Herausforderungen. Wohin mit den Dickhäutern? Wie sollten sie die Tiere noch finanzieren? Die Lösung brachte der stetig wachsende Tourismus. Viele der Arbeitselefanten wurden zweckentfremdet und nun Tourist*innen zum Reiten angeboten. Der Weg war geebnet: vom Arbeitstier zur Touristenattraktion. Viele Mahouts witterten das schnelle Geld und sattelten rasant um, im wahrsten Sinne des Wortes. Von nun an mussten die Elefanten nicht nur Urlauber durch die Gegend tragen, sondern auch noch Fußball spielen, malen und Männchen machen. Ein unwürdiges Leben, das die Natur für die stolzen Tiere nicht vorgesehen hatte. Das ständige Hin- und Herschaukeln des Kopfes bei in Gefangenschaft gehaltenen Elefanten ist meist nur Zeichen großer Langeweile oder sogar als Verhaltensstörung zu deuten. Für jeden Mahout ist sein Elefant jedoch eine wichtige Lebensversicherung. Grund genug, ihn zumindest mit ausreichend Futter und medizinscher Betreuung zu versorgen. Die Kosten dafür sind hoch. Zum Glück ist mittlerweile bei vielen Thailand-Reisenden die Erkenntnis eingekehrt, dass Elefanten als Reittiere und Attraktionen zu meiden sind. Parks wie Elephants World bieten den Tieren nun ein neues Zuhause, wenn die Besitzer des Tieres keine Verwendung mehr für die Tiere haben und die Tiere qualvoll verenden. Wenn ihr trotzdem Elefanten sehen möchtet, besucht eines der Camps, in denen auf artgerechte Tierhaltung wert gelegt wird und wo es den Elefanten an nichts fehlt, sie sogar, so weit es geht, ein freies Leben führen dürfen.
 Nur so nehmt ihr ein tiefgehendes, berührendes Erlebnis von eurer Reise mit nach Hause! 


 

Unser Fazit

Wir hatten eine Halbtagestour gebucht. Das erschien uns ausreichend, was sich auch bewahrheitet hat. Zu Beginn versammelten wir uns mit unserem Guide auf einer großen Holzplattform und bekamen erste Infos zum Projekt. Als wir dann einen großen Eimer mit Wassermelonen bekamen, besuchten uns auch die ersten Elefanten, die von der Plattform aus gefüttert werden konnten. Im Anschluss daran ging es in unserer kleinen Gruppe hinaus auf die weitläufige Fläche des Camps. Wir durften selbst das Futter für die Tiere schneiden und auf den Pick-Up verladen. Sogenanntes Elefantengras stand auf der Speisekarte. Die Dickhäuter befanden sich bereits etwas weiter unten am Fluss. Jedes Tier hat seinen eigenen Mahout, der nahezu 24 Stunden mit ihm verbringt. Am Flussufer kamen wir zum ersten mal ihnen in Kontakt. Unter Aufsicht war es möglich, Fotos zu machen und die Tiere anzufassen. Wenn ihr noch nie einen Elefanten berührt habt, ist das ein sehr aufregendes Gefühl. Sie wirken sehr erhaben und sind trotz ihrer Größe unglaublich geschickt. Nach einer ersten Kennenlernphase gingen wir in die große, einfache Außenküche, wo die Kinder das Futter vorbereiten durften. Den Bananen und Blättern wurde etwas Kraftfutter untergemischt. Der dann angerührte Brei ist für die älteren Tiere, die teilweise keine Zähne mehr haben und eigenständig nicht mehr essen könnten. Auch die durften wir füttern. Im Anschluss daran wurde gebadet. Elefanten sind erstaunlich gute Schwimmer.

Einige der Tiere ließen sich ein Stückchen abwärts im Fluss treiben, um dann wieder zurück zu schwimmen. Die Kinder bekamen große Bürsten und durften die Tiere waschen. Highlight war sicherlich, als einer der Elefanten Wasser mit dem Rüssel aufsog und dieses über uns, als erfrischende Dusche, niederprasseln ließ. Sicherlich keine natürliche Handlung, aber es war lustig und hat hoffentlich auch dem Elefant gefallen. Nach kurzer Zeit suchten sich die Tiere mit ihren Mahouts einen Platz im Schatten um, ein kleines Mittagsschläfchen zu halten. Für uns war die Tour vorbei. Zum Abschluss standen noch ein leckeres Mittagessen und kühle Getrränke auf dem Plan. So konnten wir uns in Ruhe von den Tieren verabschieden und die aufregenden Eindrücke wirken lassen. Besonders für die Kinder ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Den Tieren hier geht es gut. Sie sind gut genährt, werden nicht geritten und haben sehr viel Platz um sich zu bewegen. Die Elefanten sind nicht angekettet und die Mahouts führen sie mit Hilfe eines kleinen Stockes, den sie behutsam nutzen. Keine Spur von Haken und Eisenstangen, wie es andernorts gehandhabt wird. Wir können nur von den Erfahrungen aus unserem Besuch berichten. Unser Eindruck war durchweg positiv. Man sollte stes im Hinterkopf behalten, dass die Tier im Camp nicht aus der Wildnis hier her gebracht wurden, sondern, dass sie vorher wesentlich unwürdigere Verhältnisse erlebt hatten. Vor diesem Hintergrund ist das Elephants World sehr zu empfehlen. Beachtet allerdings, dass ihr die Touren im Vorfeld online bucht. Die Plätze pro Tag sind begrenzt. 

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